Hypochondrie und Krankheitsangst

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Hauptmerkmal der Hypochondrie ist die Angst oder Überzeugung, an einer schweren körperlichen Erkrankung zu leiden, ohne dass eine derartige Befürchtung durch einen medizinischen Befund gestützt wird.

Häufig befürchtete Krankheiten sind Krebs, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Aids und neurologische Erkrankungen, wie beispielsweise Multiple Sklerose oder Demenzerkrankungen. Die Belastung durch diese Sorgen und Ängste ist in ihrem Ausmaß recht unterschiedlich und reicht von leichten Beeinträchtigungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit, massiven depressiven Zuständen als Folgestörung und stationären Klinikaufenthalten. Als Trigger für diese Ängste gelten körperliche Empfindungen, Veränderungen oder Auffälligkeiten, die als Zeichen für die befürchtete Krankheit angeführt werden. Das Erscheinungsbild ist vielfältig.

Die Aufmerksamkeit Krankheitsängstlicher richtet sich besonders auf den eigenen Körper, die ängstigenden Symptome, sowie Informationen, die sich auf ernste Erkrankungen beziehen. Sie registrieren kleinste körperliche Veränderungen. Dementsprechend können die Patienten ihre Symptome meist in detaillierter Weise beschreiben und kennen auch detaillierte Nuancen dieser Empfindungen. Meist entwickeln sich bei den Patienten zudem Vorstellungen über die körperlichen Schädigungen. Diese sind nicht selten unzutreffend, häufig dramatisch und zuweilen sogar absurd,

Studien bestätigen, dass die Patienten sehr häufig die Rückversicherung bei Medizinern suchen. Eigenen Daten zufolge berichten hoch krankheitsängstliche Personen über etwa 24 Arztkontakte im Jahr (Bleichhardt und Hiller 2006). Stationär behandelte Hypochondrie-Patienten gehen durchschnittlich sogar 58 Mal im Jahr zum Arzt (Bleichhardt et al. 2005). Würde die ärztliche Rückversicherung auch zu langfristigen Erfolgen führen, wären die Zahlen vermutlich längst nicht so hoch: Ein weiteres wichtiges Merkmal der Hypochondrie ist, dass Rückversicherung nicht endgültig beruhigt. Sehr bald entstehen bei den Patienten wieder Zweifel, ob nicht doch etwas übersehen wurde. Was den Patienten längerfristig helfen könnte, ist eine Psychotherapie. Der Arzt, der seinem Patienten eine Therapie nahe legen möchte, hat es allerdings nicht leicht und wird sehr schnell missverstanden und leider ist der Anteil an Gesprächsführung und psychologischen Erklärungsmodellen im Medizinstudium immer noch gering.

Doctor Hopping Da es den Patienten oft peinlich ist, ständig den gleichen Arzt aufzusuchen und sie zudem die Erfahrung machen, dass sie von Mal zu Mal oberflächlicher untersucht werden, bleiben sie nicht bei einem Allgemeinarzt oder Internisten, sondern suchen weitere Ärzte dieser Fachrichtungen sowie andere Fachärzte auf. Den häufigen Arztwechsel bezeichnet man in der englischen Fachsprache auch als „Doctor Hopping“, im Deutschen zuweilen auch als „Doctor Shopping“. Krankheitsängstliche versichern sich nicht nur bei Medizinern ihrer Gesundheit.

Vor dem Arztbesuch steht häufig die Rückversicherung bei Familienangehörigen und Freunden. Auch wenn die Patienten sich meist bewusst sind, dass die Rückversicherungen von Nicht-Medizinern nicht lange vorhalten, ist es für sie dennoch beruhigend zu erfahren, dass andere sie nicht für schwer krank halten oder ähnliche Symptome bereits auch schon einmal gehabt haben. Eine weitere Quelle von Rückversicherungen können Gesundheitsratgeber, Fachbücher, das Internet oder Servicenummern der Krankenkassen sein. Besonders das Internet erfreut sich zunehmender Popularität. Es trägt jedoch durch die Vielfältigkeit der Informationen zur massiven Verunsicherung der Patienten bei. Aufgrund der Relevanz, die dem Internet für die Aufrechterhaltung der Hypochondrie zugesprochen wird, wurde durch einige Forscher und zahlreiche Journalisten der Begriff „Cyberchondriasis“ (deutsch: Cyberchondrie) geprägt (Muse et al. 2012).

Mit der Zeit führen Rückversicherungen bei Personen häufig zu Folge-Schwierigkeiten: Die Patienten werden nicht nur bei Ärzten immer unbeliebter, sondern auch ggf. in ihrem Freundeskreis als „Hypochonder“ und „Nervensägen“ abgestempelt. Einige Patienten empfinden auch Schamgefühle, wenn sie andere Menschen wegen ihrer Ängste „belästigen“, wissen jedoch of t keinen anderen Weg im Umgang mit den Ängsten.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.

 

 

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